Gefährliches Pflaster: Sonderausstellung zum Thema "Kriminalität im Römischen Reich"

Wie gefährlich war es in der Antike für einen Durchschnittsbürger der Stadt Rom? Welche Arten von Verbrechen wurden vor 2000 Jahren begangen? Wie schützte man sich davor, selbst Opfer eines Verbrechens zu werden? Und welche Bestrafungen mussten Missetäter überhaupt befürchten?

Antworten auf diese und viele andere spannende Fragen gibt die sehenswerte Sonderausstellung “Kriminalität im Römischen Reich”, die kürzlich ihre Pforten geöffnet hat. Seit dem 8. Juli und noch bis zum 12. Februar 2012 können sich Interessierte im LVR-RömerMuseum im Archäologischen Park Xanten mit genau dieser Thematik hautnah auseinandersetzen.

Keine Frage: Innerhalb, wie auch außerhalb der römischen Gesellschaft genoss die römische Kultur großes Ansehen und hatte einen außerordentlich hohen Stellenwert. Doch trotz aller kulturellen Leistungen, Schöpfungen und Errungenschaften des römischen Volkes war eben auch die Kriminalität ein Teil des alltäglichen Lebens im Römischen Reich.

Die Gefahr, Opfer eines Verbrechens zu werden, war vor allen Dingen deshalb schon gegeben, weil es keine Polizei gab. Die meisten Menschen konnten ihre Habseligkeiten allenfalls durch Schlösser an den Türen und Gitter vor den Fenstern sichern. Interessant ist vor diesem Hintergrund, dass Archäologen schon ein Schloss ausgegraben haben, in dem der Dietrich noch drin steckte! Dieses tolle Fundstück kann man in Xanten übrigens auch sehen. Wachhunde und sogar Warnschilder (“Cave canem” – “Hüte Dich vor dem Hund!”) gab es zwar, jedoch war dieser Luxus in erster Linie den Reichen vorbehalten.

Noch gefährlicher, als in den eigenen vier Wänden, war es jedoch auf Reisen. Wegelagerer konnten jedem Reisenden fast überall gefährlich werden. Ganz gleich ob unschuldige Kinder oder kampferprobte Krieger, die Inschrift “Von Räubern erschlagen” fand sich auf vielen Grabsteinen. Neben Einbruch, Diebstahl und Raub gab es aber auch noch andere Verbrechen. Von kleineren Betrügereien, wie Taschenspielertricks oder gezinkten Würfeln, über Kidnapping bis hin zu “professioneller” Geldfälscherei war alles vertreten. Allein die schiere Anzahl der bis heute gefundenen Falschmünzerförmchen gibt einen guten Eindruck davon, wie verbreitet dieses Handwerk gewesen sein muss. Und das, obwohl Geldfälscher im Römischen Reich mit der Höchststrafe belegt und mit dem Tode bestraft wurden.

Aber auch sonst waren die Strafen noch echte Strafen. Da es – anders als heute – keine echten Gefängnisse und Haftstrafen gab, mussten die Strafen anderer Natur sein. Wer z.B. eine verhängte Geldstrafe nicht zahlte, der konnte verbannt oder zur Schinderei in einem Bergwerk verdonnert werden. Allerdings konnte die Rechtsprechung bei an sich gleichen Tatbeständen auch sehr uneinheitlich sein: Galt die Vergewaltigung einer verheirateten Frau als Kapitalverbrechen, das mit dem Tod bestraft werden konnte, so galten bei Sklavinnen gänzlich andere Maßstäbe. Vergewaltigte ein Fremder eine Sklavin, so konnte ihr Herr den Täter nur auf Schadensersatz wegen Sachbeschädigung (!) verklagen. Der Herr selbst durfte mit seinen Sklavinnen und Sklaven machen, was ihm in den Sinn kam. Wenn ein Täter zum Tode verurteilt wurde, dann standen insbesondere Kreuzigung und das Zerfleischen durch wilde Tiere hoch im Kurs. Dabei wurden viele Hinrichtungen auch in der Öffentlichkeit, etwa in Amphitheatern vollstreckt. Dieser eigentlich recht abschreckende Strafenkatalog wiederum verdeutlicht, dass das ausgeprägte Wohlstandsgefälle innerhalb der römischen Gesellschaft groß genug gewesen sein muss, um dennoch kriminelle Auswüchse zu generieren.

Wer nun glaubt, es wären immer nur die Ärmsten der Armen gewesen, die ihr Heil in der Kriminalität suchten, der sieht sich getäuscht. Oft waren es offizielle Amtsträger, ranghohe Militärs oder sogar Senatoren, die beispielsweise Korruption betrieben, denn Korruption gehörte praktisch zum politischen Tagesgeschäft. Doch wurde Korruption damals verhältnismäßig selten bestraft, da die Verflechtung mächtiger Leute die Strafverfolgung schon im Keim erstickte. Überhaupt: Wenn ein Bürger Opfer eines Verbrechens wurde, so hatte er – in Ermangelung einer Polizei – nur die Möglichkeit, Militär um Hilfe zu bitten. Da solche Gefälligkeiten aber eines einflussreichen Fürsprechers oder zumindest eines ausreichenden, finanziellen Obolus bedurften, mussten sich die meisten Menschen selbst helfen.

Dies taten die Bürger Roms z.B., indem sie okkulte Praktiken betrieben. Ein gutes Beispiel dafür ist das sogenannte Fluchtäfelchen aus Blei, welches in Xanten zu sehen ist. Auf dem Fluchtäfelchen verwünschten die Geschädigten die Täter. Ob diese Art der Strafverfolgung geholfen hat, lässt sich heute nicht mehr herausfinden. Aber eins steht fest: Das Römische Reich hatte – wenn man so will – trotz vieler Gesetze ein echtes Kriminalitätsproblem! Übrigens: Die Sonderausstellung “Kriminalität im Römischen Reich” ist nicht nur für historisch interessierte Erwachsene geeignet, sondern auch für Kinder und Jugendliche, denn verschiedene Begleitprogramme, wie Mitmachangebote, Veranstaltungen und Führungen versprechen viel Spannung und Abwechslung!

Slideshow-Video mit vielen tollen Aufnahmen aus dem LVR-RömerMuseum Xanten

Was?
Sonderausstellung “Kriminalität im Römischen Reich”

Wo?
LVR-RömerMuseum Xanten
Am Rheintor (ehemals Wardter Straße)
46509 Xanten

Wann?
Vom 8. Juli 2011 bis zum 12. Februar 2012

Wann genau?
Öffnungszeiten (täglich)
März bis Oktober: 9:00 – 18:00 Uhr
November: 9:00 – 17:00 Uhr
Dezember bis Februar: 10:00 – 16:00 Uhr
(24., 25. und 31. Dezember geschlossen, an Neujahr geöffnet)

Wie teuer?
Erwachsene: 9 €
Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: frei
Menschen mit Behinderung: 6 €
Studierende und Auszubildende: 6 €

Webseite?
LVR-RömerMuseum Xanten

Weitere Infos?
Info-Telefon: 02234 – 99 21 555

Quelle: LVR-RömerMuseum Xanten Sonderausstellung “Kriminalität im Römischen Reich”