Wie die Wikinger lebten, kann man im Internet oder in Büchern lesen. Man kann sich auch entsprechende Dokumentationen anschauen. Doch nichts ist besser, als selbst hautnah zu erleben, wie die Wikinger lebten. Wie sie wohnten, wie speisten, welchem Handwerk sie nachgingen. All das und noch viel mehr gibt es im tollen Ribe VikingeCenter zu sehen. Gerade jetzt, im Sommer und zur Ferienzeit, ein interessantes Reiseziel.
Ribe (von altdänisch “ripa” = Flussufer) liegt im Südwesten Jütlands, etwa 25 km südöstlich von Esbjerg, und ist eine der ältesten Städte Dänemarks. Bis ins 8. Jahrhundert lässt sich die Stadt durch archäologische Funde “zurückverfolgen”, diese Funde belegen zudem, dass die Stadt schon zu dieser Zeit von anspruchsvollem Handwerk geprägt war. Die Ausübung von Webarbeiten, Töpferkunst, Lederverarbeitung und sogar Metallgießerei sorgte – so vermuten die Forscher heute – dafür, dass Ribe bereits damals Handelsverbindungen nach Deutschland gehabt haben muss, insbesondere nach Bremen, Stade und Köln. Doch auch mit Brügge, Utrecht und Groningen wurde wohl Handel getrieben. Die erste schriftliche Erwähnung datiert auf das Jahr 860, als der Missionar und Erzbischof Ansgar von Bremen in Ribe die erste christliche Kirche in Skandinavien errichten wollte und ein entsprechendes Ersuchen an König Horik II. richtete.
Über das gesamte Mittelalter blieb Ribe eine blühende Stadt, die trotz mehrerer Pestepidemien (die schlimmsten 1350 und 1659), sowie aufgrund zahlreicher Sturmfluten, von denen die Burchardiflut am 11./12. Oktober 1634 die verheerendste war, lange Zeit als wichtigster dänischer Hafen an der Nordsee galt. Den regen Handel begünstigte neben dem Hafen natürlich auch der schiffbare Fluß Ribe Å. Der wichtige Status der Stadt spiegelt sich auch in der Einwohnerzahl gegen Ende des 15. Jahrhunderts wider: Etwa 5.000 Menschen lebten in Ribe, zur gleichen Zeit lebten in den wichtigen Hansestädten Hamburg und Lübeck ca. 10.000 bzw. 25.000 Einwohner. Im 16. Jahrhundert – die Seewege hatten sich über die Jahrzehnte immer mehr verlagert – gewann die Hafenstadt Kopenhagen immer mehr an Bedeutung, weswegen der Seehandel in Ribe nachließ.
Nichtsdestotrotz lebten die Menschen in Ribe in wirtschaftlich guten Verhältnissen. Auf dem Marktplatz von Ribe wurde rege Handel betrieben und Waren aus weiten Teilen Europas wurden dort umgeschlagen. Dank der bemerkenswerten Handwerkskünste der Bürger von Ribe war stets ein reichhaltiges Warenangebot vorhanden, zudem gab es im Marschland gute Aufzuchtbedingungen für Kühe und Schafe, die deshalb auch in großer Zahl exportiert wurden. Maßgeblich für den verhältnismäßigen Wohlstand war vor allen Dingen der Fleiß der Menschen. Eine alte Wikingerweisheit sagt: “Nur selten glückt dem schlummernden Wolf ein Fang und dem schlafenden Mann ein Sieg”. Wie wahr!
Schlafen und schlummern kommt einem als Besucher des etwa zwei Kilometer südlich des Stadtkerns von Ribe gelegenen Ribe VikingeCenter unterdessen gewiss nicht in den Sinn. Das beschauliche und bezaubernd lebendige Wikingerdorf bietet dafür nämlich ein viel zu umfangreiches Angebot an Aktivitäten. So kann man zahlreiches Handwerk bestaunen, wenn man dem Schmied, dem Holzdrechsler, dem Töpfer, dem Weber, dem Bronzegießer oder dem Kammmacher über die Schulter schaut. Und man kann staunen, mit wie viel Fertigkeit der Silberschmied, der Bernsteinschleifer oder der Glasperlenmacher seiner Arbeit nachgeht.
Zwar sind nicht alle Werkstätten das ganze Jahr über täglich in Betrieb, aber auch sonst gibt es viel zu entdecken. Die Völve, die Seherin, etwa. Diese erzählt von den Göttern, den Asen, wirft Runen um die Zukunft vorherzusagen, singt Lieder und berichtet von Helden längst vergangener Tage.
Ferner gibt es viele Möglichkeiten, die Rolle des Zuschauers/Zuhörers zu verlassen und selber aktiv zu werden – insbesondere für Kinder ein Riesenspaß. Mehl machen, Fladenbrot backen, Holznägel herstellen, eigene Glücksmünzen prägen, Bogenschießen und Kriegertraining sind nur einige der Aktivitäten, die darauf warten ausprobiert zu werden. Kinder können Wikingerspiele spielen und sich einmal wie ein echter, kleiner Wikinger fühlen, wenn sie ins Thinghaus einziehen: Mit Wikingermantel und Filzmütze schlüpfen die Kleinen in die Rolle eines Pflegekinds des Dorfhäuptlings und bekommen verschiedene Aufgaben zugeteilt, für die auch früher die Kinder herangezogen wurden: Wasser vom Brunnen holen, beim Kochen helfen, Mehl mahlen oder die dreckigen Lederschuhe des Häuptlings putzen. Welche Aufgaben erledigt werden müssen, weiß man vorher nicht. Aber wenn die Kinder keine Lust mehr haben, dann ziehen sie einfach ihre Wikingersachen wieder aus. Das konnten die Kinder vor 1200 Jahren nicht so ohne Weiteres!
Die Webseite des Ribe VikingeCenter (auch in deutscher Sprache verfügbar)
Video mit Eindrücken von Ribe VikingeCenter (in dänisch)
Adresse:
Ribe VikingeCenter
Lustrupvej 4
6760 Ribe
Dänemark
Öffnungszeiten:
09.05. – 19.06.
Montag – Freitag 10:00 – 15:30 Uhr
20.06. – 28.08.
Montag – Sonntag 11:00 – 17:00 Uhr
29.08. – 21.10.
Montag – Freitag 10:00 – 15:30 Uhr
Preise:
Erwachsene 12,41 €
Kinder (3 – 13 Jahre) 6,21 €